Maikundgebung 2010
Maikundgebung mit Landrat Joachim Arnold
- Ein Umdenken ist zwingend erforderlich -
Florstadt - (sl) Mit einem lachenden und einem weinenden Auge absolvierte Landrat Joachim Arnold am Samstag die Maikundgebung der Florstädter SPD als diesjähriger Gastredner. „Ich mache aus meinem Herz keine Mördergrube, wenn ich sage, dass ich gerne nach Florstadt komme, heute aber lieber wie in den vergangenen 30 Jahren der DGB-Mai-Kundgebung in Wölfersheim beigewohnt hätte“, machte Arnold gleich zu Beginn deutlich. Dort, wo die Gewerkschaften mit Energie und Bergbau eine besondere Verbundenheit erfahren hätten, sei er schon am langen Arm seines Vaters mit marschiert. Aber wenn er schon nicht dort dabei sein könne, dann freue es ihn besonders, dass er am 1. Mai in Florstadt sprechen dürfe, so Arnold.
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Denn der 1. Mai habe eine wichtige und besondere Tradition, erinnerte Arnold an die blutige Anfangszeit vor 124 Jahren in Chicago in den USA und machte deutlich, „dass soziale Leistungen nicht vom Himmel fallen“. Auch 2010 biete sich dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) reichlich Stoff für einen Mai-Aufruf: Stärkung des Sozialstaates, gerechte Löhne, Bekämpfung von Lohn-Dumping und Kampf dem Missbrauch der Leiharbeit. Er sprach die kriminellen Spekulanten und deren Gier an, die sogar Staaten wie Griechenland an den Rand des Ruins führen. Ein Umdenken, auch in der Politik, sei dringend erforderlich, so Arnold, der Zockern und Spekulanten klare Grenzen setzen will und eine unabhängige europäische Rating-Agentur forderte. „Die Schere zwischen Arm und Reich hat sich weit geöffnet und der Sozialstaat muss die Gerechtigkeitslücke schließen“. Und er erteilte der angestrebten Kopfpauschale im Gesundheitssystem der schwarz-gelben Bundesregierung eine klare Absage: „Wir Sozialdemokraten, Gewerkschaften und Betriebsräte streiten für einen Staat, der die Lebensrisiken wie Arbeitslosigkeit, Krankheit, Alter und Pflege verlässlich absichert und gleichzeitig den sozialen Aufstieg durch Arbeit und Bildung ermöglicht“ und erhielt spontanen Applaus von den rund hundert Zuhörern, die dem Nieselregen auf dem Nieder-Florstädter Festplatz trotzten.
Friedlich demonstriere man heute am 1. Mai für gerechte Löhne und einen starken Sozialstaat. Ungeschützte Beschäftigung müsse energisch bekämpft werden, die Einführung der gesetzlichen Mindestlöhne sei dringender denn je erforderlich. Denn, machte der Landrat des Wetteraukreises deutlich, „aus Furcht von dem Verlust des Arbeitsplatzes waren viele Belegschaften und Gewerkschaften zu Tarifabschlüssen gezwungen, die unter das Niveau der 1980er Jahre gesunken sind. Vielerorts werden wieder 40 Stunden pro Woche und mehr gearbeitet“, konstatierte Arnold und machte deutlich, dass „es die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer sind, die Tag für Tag den Wohlstand unseres Landes erwirtschaften“. Am 1. Mai, dem „Feiertag der Solidarität“, stellte Arnold außerdem klar, dass die Menschen von ihrem Arbeitseinkommen auch leben müssen. Deshalb unterstrich er das diesjährige Motto der Maibewegung „Gemeinsam für starke Arbeitnehmerrechte“.
Vor seiner Kundgebungsrede konnte Arnold mit Mira Heutzenröder und Gisela Deis zwei neue Parteimitglieder begrüßen. Im Anschluss gratulierte der Landrat assistiert von Bürgermeister Herbert Unger und dem SPD-Ortsvereinsvorsitzenden Stefan Lux gleich mehreren Mitgliedern zu langjährigen Mitgliedschaften: Alexander Alt, Stefan Trupp, Oswald Reinold, Andreas Schneeberger und Adolf Urban wurden für 25jährige Mitgliedschaft geehrt. Bereits seit 40 Jahren halten Horst Kern, Horst Ackermann und Friedel Zimmer der SPD die Treue und seit einem halben Jahrhundert und somit seit 50 Jahren sind Karl Walther und Erich Opper im Besitz ihres roten SPD-Parteibuches.
Den Jubilaren wurden Ehrenurkunden, Buchgeschenke und Präsente in Flaschenform überreicht. Dank und Anerkennung für ihre Treue zur Partei brachte Ortsvereinsvorsitzender Stefan Lux in gewohnte deftiger Art und Weise zum Ausdruck, denn es gebe nur zwei Möglichkeiten, kein SPD-Mitglied mehr zu sein: Rauswurf oder der Tod. Gleichzeitig machte Lux Werbung für den Europa-Tag der Florstädter SPD, der am kommenden Samstag, 8. Mai, ebenfalls auf dem Festplatz an der Willy-Brandt-Straße stattfinden wird.
