Neujahrsempfang 2010
Günter Rudolph (MdL) verlangt mehr Selbstbewußtsein
-Gier ist verantwortlich für finanzpolitische Schieflage-
Florstadt - Ober-Florstadt (sl) „Ich wünsche Ihnen allen ein angenehmes, gesundes und glückliches Restjahr“. Mit diesen Worten hatte Torsten Lux in seiner Funktion als Vorsitzender des SPD-Ortsbezirks Nieder- und Ober-Florstadt die Besucher des diesjährigen Neujahrsempfangs begrüßt. Schließlich waren bereits mehr als vier Wochen des „neuen Jahres“ ins Land gegangen. Er begrüßte Bürgermeister Herbert Unger und das Kreistagsmitglied Stefan Lux, denen später noch die Möglichkeit zur Grußworten eingeräumt wurde, sowie die beiden Gastredner des Abends: den Landtagsabgeordneten Günter Rudolph und den Polizei-Sicherheitsbeauftragten Gerd Breukel.
.
Rudolph sprach von zwei schweren Jahren für die SPD und einer eindeutigen Entscheidung der Wähler als Quittung: „Wir sind bei 23 Prozent“, stellte er eingangs fest. Er machte aber auch deutlich, dass 2010 mehr Selbstbewusststein gefragt sei. Viele Menschen sorgten sich um ihre Arbeitsplätze. „Gier frisst Verstand“ nannte er als Wurzel des Übels, das die Welt in ihre finanzpolitische Schieflage brachte. „Wir haben gut reagiert mit der Rettung der Banken, den Konjunkturprogrammen und der Abwrackprämie“, konstatierte der Landtagsabgeordnete. Das sei alles notwendig gewesen, um die Wirtschaft zu stabilisieren. Es habe aber auch viel Geld gekostet.
Nächstes Jahr gebe es in Hessen wieder Kommunalwahlen - darauf habe die SPD ihren Seismographen ausgerichtet. Deshalb müsse man wieder mehr mit den Menschen reden: „Der Wähler will wissen für was die SPD steht“, sagte Rudolph. Man müsse über Werte reden, über den Mindestlohn, „damit die Menschen später mal ne Rente bekommen“ und über Korrekturen bei den Steuergesetzen. Es dürfe nicht sein, dass Städte wie Florstadt Gewerbegebiete entwickelten um Arbeitsplätze zu schaffen, die Betriebe aber bei Verlusten ihre Gewerbesteuern wo anders zahlen. Er sprach das Bildungssystem und das Gesundheitswesen an und kritisierte das Wachstumsbeschleunigungsgesetz von CDU und FDP mit ihrer „unerträglichen Klientelpolitik“. Und er warf in Sachen Kinderbetreuung der Landesregierung in Wiesbaden Wortbruch vor. Städte und Landkreise seien bald zahlungs- und handlungsunfähig, stellte er außerdem fest. Es türmten sich riesige Defizite: „So manche Stadt wäre als Privatperson längst zur Insolvenz beim Amtsgericht“. Das Land ziehe sich immer mehr aus der Verantwortung. So sei es auch kein Wunder, dass niemand mehr in die Kommunalpolitik gehe, wenn man nur Mängel verwalten, Schelte einstecken und unangenehme Entscheidungen treffen kann. Wenn kein Geld für Feuerwehren, Gesangs- oder Sportvereine da sei, schade das auch dem Ehrenamt. „Jemand soll mal gesagt haben, dass Schwarze gut mit Geld umgehen könnten“, sagte Rudolph. Das sehe er ganz anders, es sei denn, „es geht um deren Schwarzgeld“, schimpfte der Landtagsabgeordnete.
Das Trauerjahr für die SPD sei definitiv vorüber: „Wir brauchen Kraft, unsere eigene Politik zu entwickeln“ rief er auf. Auch wenn man Vertrauen verspielt und der Wähler die SPD hart bestraft hätte, habe man die Fehler eingestanden und könne mit guter Arbeit gute Politik machen und somit gute Ergebnisse einfahren, war sich Rudolph sicher. So wie in Florstadt, wo die Welt sozialdemokratisch noch in Ordnung sei. „Aber die Florstadts dieser Welt werden immer weniger“, konstatierte er.
Weitere Reizthemen wie Hartz IV, Rente mit 67, die Bürgerversicherung und höhere Steuersätze von Besserverdienenden analysierte Rudolph messerscharf und machte deutlich, dass man sich vor unangenehmen Themen nicht verstecken dürfe. Die SPD sehe er mitten im Leben, gut und stark und auf einem breiten Fundament. Mit Selbstbewusstsein, aber nicht überheblich, werde man die neuen Aufgaben meistern, so Rudolph. Mit Blick auf die Kommunalwahl, die das tägliche Leben betreffe und damit keineswegs unwichtig sei, forderte er zu einem attraktiven Angebot und einer starken Liste auf. Gemeinsam sollen die Genossen handeln und für die SPD werben und kämpfen. Florstadt und seinen Bürgerinnen und Bürgern wünschte er einen erfolgreichen Weg und den Verantwortlichen ein glückliches Händchen in der Politik für die Menschen und Bürger.
Gerd Breukel, der auch als Seniorenbeauftragter in der Einbruchprävention tätig ist, informierte anschließend über eine Zunahme um 17,5 Prozent bei Haus- und Wohnungseinbrüchen gegenüber 2008. weil das auch in Florstadt so gewesen war, hatte die örtliche SPD die Einladung ausgesprochen. Nur jeder vierte Einbruch werde aufgeklärt, ganz anders sehe das bei Morden aus. Hier liege die Aufklärungsquote bei 90 Prozent. Neben einer Vielzahl von Vorsorgetipps gab Breukel auch Verhaltentstipps anhand von Beispielen und warb für die Codierung von Wertgegenständen mit der FEIN-Nummer der Friedberger Polizei. Weitere Informationen sind erhältlich bei der kriminalpolizeilichen Beratungsstelle in Friedberg (Telefon 0 60 35 - 60 11 53) oder per Email an
Diese E-Mail-Adresse ist gegen Spambots geschützt! JavaScript muss aktiviert werden, damit sie angezeigt werden kann.
.
Danach stärkten sich die Anwesenden mit einem zünftigen Imbiss: Florstadts SPD-Küchenchef Lothar Hofmann hatte gemeinsam mit seinem Team Rippchen mit Kraut und einer ordentlichen Portion Merschd (Meerrettich) vorbereitet, die allgemein lobenden Anklang und reißenden Absatz fand
Torsten Lux begrüßte außerdem eine Gesandtschaft des Fördervereins der Karl-Weigand-Schule, die mit dem Vertrieb ihren „Florstadt-Memorys“ beschäftigt waren. Grund genug, beiden Gastrednern mit je einem Exemplar für ihre Anwesenheit zu danken. Lux gab außerdem bekannt, dass der Erlös des Getränkeverkaufs des Abends den Erdbebenopfern auf Haiti zugute kommen solle. Das Elend sei unbeschreibbar, so Lux. Die Hilfsbereitschaft der Weltbevölkerung gebe jedoch Grund zur Hoffnung.
